**** So mancher, der ihr ästhetisch faszinierendes Video von »You Gotta Be« gesehen und sich dabei an Tasmin Archer erinnert gefühlt hat, wird auf die CD gespannt gewesen sein. Aber schon das Wiederhören des Hits, der immerhin Englands Top 20 erreichte, enttäuschte. Offensichtlich war der visuelle und nicht der musikalische Eindruck das Entscheidende. Dabei hätte ich ja gewarnt sein können: Schon die Debüt-CD »Mind Adventures« hielt nicht, was der gleichnamige Hit versprach. Nicht anders beim neuen Album: Die ansprechende Aufmachung täuschte wieder einmal über die musikalische Schwachbrüstigkeit hinweg. Das scheint an der Kompositionsmethode zu liegen. Des'ree legt wohl die Melodien und die Texte vor, und erst dann versieht die versierte Studiocrew um Ashley Ingram den Song offensichtlich mit einem zugegebenermaßen vielseitigen instrumentalen Background, wie man an den 2 Versionen des Titelstücks erkennen kann. Aber schon Des'rees begrenzter Alt-Stimmumfang legt diesem Unternehmen starke Zügel an. Zwar entstehen manchmal auf diese Weise jene unnachahmlich betörenden und eingängigen Melodien, oft genug geraten sie aber auch monoton (besonders schlimm im Song »Trip On Love«). Immer dort, wo musikalische Grenzgänge gewagt werden, wie z.B. in »Little Child« ins Lateinamerikanische oder bei »Love Is Here« ins Balladeske, gewinnt ihre Stimme jenen gurrend-exotischen Reiz, den auch ihre Hits haben. Des'ree ist wahrscheinlich eine der Künstlerinnen, die erst auf einer »Best of«-Platte so richtig zur Geltung kommen. |